Montag, 17. November 2014

25# Rezension: Solange die Nachtigall singt

Bildquelle: Amazon.de
— Solange die Nachtigall singt
— Antonia Michaelis
— 448 Seiten
— ISBN 378914293X
— Romance, Drama, Märchen, Thriller
 Gelesen in Deutsch
Inhalt: Eigentlich wollte Jari ja wandern, nach der Ausbildung eine Weile für sich sein und die Natur erleben. Aber die Wälder sind tief und dunkel und darin verbirgt sich eine dunkle Vergangenheit.





ACHTUNG: Diese Rezi enthält viele Spoiler :D Wer eine sinnvolle Rezension erwartet ist heute ausnahmsweise mal falsch bei mir.

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Meinung: Ich weiß gar nicht wo ich beginnen soll. Dieses Buch hat mich wahnsinnig gemacht. Hätte auch noch ungefähr 1/5 zu Lesen übrig, vielleicht lese ich es auch noch, aber für den Moment macht mich dieses Buch einfach nur wütend. Ich brauch erst einmal ein anderes, haha.

Selten - wirklich SELTEN - kam mir ein solch dämlicher Protagonist unter die Nase. Eigentlich ging ich davon aus, das Buch sei eine reine Märchen-Nacherzählung. Aber nä: Es ist die Odyssee von Jari Cizek, den Jungen den sie Zeisig nennen. Vielleicht weil er ein Vogelhirn hat?


Jari Cizek ist 18 und hat gerade seine Ausbildung zum Tischler beendet. Nun möchte er für drei Wochen durch die Lausitz wandern, ein wenig Natur schnuppern und so. Zudem ist er deprimiert weil sein bester Freund Matti ständig eine Freundin nach der nächsten hat (angeblich ist er ja nur ein Romantiker, der jede wirklich liebt. Bei seinem Freundinnen-Verschleiß würde ich aber eher anderes vermuten. Die Mädels verlassen Matti und nicht er sie, haha). Genau dann wird einem suggeriert dass es ja das tollste und normalste für 18 Jährige Jungs ist, ein Mädel nach dem nächsten abzuschleppen und unbedingt Erfolg zu haben. Nur dann ist man ein toller Hecht.
Leider gelingt ihm das nicht und er hatte noch nie eine Freundin. Doch im Wald möchte er "ein Jäger" werden - Jari - der, der die Mädchen jagt. Generell ist sein einziger Antrieb lange, fast die Hälfte des Buches über, dass er einmal "ein Mädchen erlegen" möchte. Und dafür ist er bereit wirklich etwas zu erlegen. Zuerst illegal wilde Wölfe und Bären - dann Menschen. Und alles im Namen der Schönheit dreier Mädchen. Einer seiner Hauptantriebe ist ganz, ganz lange das er von ihnen dafür "belohnt" werden möchte.
Ich meine HEY! Wenn gleich drei hübsche Mädchen verlangen zu töten, wer würde das nicht? Es sind immerhin eineiige Drillinge - total der heiße Scheiß. Matti wird blass vor Neid. Ich schwör's euch!

Generell wird ständig von Matti geredet, aber nie etwas Neues. Immer das Gleiche. Außerdem ist der Begriff "Freundschaft" zwischen ihnen viel zu weich - das Wort "Bier" trifft es eher, nach Jaris Meinung.

Bevor er in den Wald aufsteigt, begegnet er einem jungen Mädchen mit Buckel, dicker Brille, grauem Haar und verzogenen Händen. Also ok, jeder würde sich sicherlich etwas denken wie "die Arme" oder auch Dinge, die vielleicht nicht angebracht waren und man sich innerlich dafür schämt. Aber er... er legt einen fast zwei Seiten langen Monolog hin dass es das hässlichste Mädchen ist was er jemals gesehen hat. Er geht nicht davon aus sie habe es aufgrund der Behinderung schwer, nein, sie muss es schwer haben weil sie so unglaublich hässlich ist. Selbst ihr liebliches Lachen verstört ihn, passt es doch nicht zum Rest der Person. 
Aber dann! Im Wald legt sie ihre Verkleidung ab. Ähnlich wie das Umstyling bei Germany's Next Topmodel. Auf einmal ist sie die schönste Person die er jemals sah und verliebt sich fast auf Anhieb und folgt ihr neugierig tiefer in den Wald (ihr habt das mit dem Jagen sicherlich noch nicht vergessen!). Würde ich natürlich auch. Ich traue auch jeder Person die vortäuscht eine Behinderung zu haben und im Wald lebt.

Genauso geht er auch mit "Branko" um (warum heißen die großen, kräftigen Männer mit Behinderung immer Branko oder dergleichen?). Ich nehme an es soll ein Charakter mit Down-Syndrom sein? Der Junge schwafelt wieder davon was für ein Dorftrottel Branko doch ist. Aber Dorftrottel darf man ja nicht sagen, meinte mal seine Mutter, aber seine Mutter glaubt ja auch an die Bibel (mal wieder ein Jari-Original). 

Dazu bemerkt er von Anfang an dass in diesem Wald etwas nicht stimmt. Nach und nach werden die Ereignisse in der Hütte und um die Hütte immer eigenartiger, die Mädchen spielen die ganze Zeit über ein mieses Spiel mit ihm, was er sogar aufdeckt - und er ist ihnen nicht einmal böse (sie sind doch so schön!).
Eines der Mädchen schreibt ihm heimlich Briefe, er solle gehen und keinem trauen, alles sei bloß Trug. Sie ermöglicht ihm sogar die Flucht!

Auch die Auflösung der Geschichte ist so übertrieben dramatisch. Diplomatentöchter die Entführt wurden, zwei Jahre Gefangene waren und nach dem Tod des Vaters im Wald verschwanden. Spätestens dann sollte Jari Zeisighirn nachgedacht haben, dass diese Mädchen traumatisiert sind, ernsthaft Hilfe brauchen nachdem wie sie ihre Spiele mit ihm spielten - nein - also was habt ihr denn erwartet? Jari tötet natürlich den Förster um ihnen zu helfen, damit durch den Wald keine Straße gebaut wird.
Denn wenn mal wieder (Betonung auf "mal wieder") jemand in diesem Wald verschwindet, schiebt man es sicherlich wie gewohnt auf die Wölfe und für lange Zeit wird hier kein Mensch mehr auftauchen. Denn ohne Förster trauen sich die Landvermesser nicht mehr in den Wald - hier verschwinden schließlich Menschen! (Wenn in einem Wald stets Menschen verschwinden, seit 10 Jahren, sollte dann nicht die Polizei langsam aktiv werden?)

Alles ist so verdammt auf poetisch getrimmt. Selbst die Art der Personen zu sprechen. Der Junge ist 18 und lebt definitiv nicht im 18ten Jahrhundert. Alles wirkt ein wenig Altbacken, so als hätte eine konservative Person versucht zu beschreiben was moderne, jugendliche Freiheit bedeutet und verpackt dies in schwülstigen Wortlaut. An sich las es sich schnell und flüssig, man konnte sich zum Glück daran gewöhnen.

Ich kann mir eigentlich nicht erklären warum dieses Buch so extrem viele gute Bewertungen hat. Auf Amazon, um ein Beispiel zu nennen, gab es 48 mal 5 Sterne und nur ein Mal einen Stern. 

Das Drumherum, die Mädchen, die absurd tragische Geschichte und einiges anderes, das hätte mich gar nicht mal so extrem gestört wenn da nicht dieser total dämliche Vogel gewesen wäre. Er scheint null gesunden Menschenverstand zu besitzen. Keine Logik, denkt nur an sich, ist naiv und oberflächlich. 

Vielleicht bekam er deswegen nie eine Freundin ab?


... außerdem wird er Süchtig nach Fliegenpilzen.



 Punkte 1 | 5 


Kommentare:

  1. Hey,

    eine wirklich sehr lustige Rezension. Ich habe von der Autorin schon 2 andere Bücher gelesen, beide waren ziemlich verstörend...Der Märchenerzähler fand ich auch ziemlich Nerven zerreibend, aber das andere "Niemand liebt November" hat mir richtig gefallen....wobei es auch an einigen Stellen etwas überzogen war.

    LG Felan

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    1. Eigtl hatte ich vor den Märchenerzähler noch zu lesen. Aber nach dem Kraftakt hier, werde ich es wohl eher sein lassen :D So sehr ich Märchennacherzählungen liebe, bisher sind alle Deutschen Autoren (auch wenn ich bisher nur drei las) aus diesem Gebiet bei mir gnadenlos durchgeflogen. Alle drei tendierten in eine Richtung die ich zu unglaubwürdig, zu überzogen und überdramatisiert fand.

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