Montag, 14. Juli 2014

15# Rezension: Fangirl + Anmerkung zur Thematik

Bildquelle: Goodreads.com
— Fangirl
— Rainbow Rowell
— 495 Seiten
— ISBN 14477263227
— Young Adult, Contemporary, Romance
 Gelesen in Englisch
Inhalt: Cath und Wren sind eineiige Zwillinge. Sie teilten sich stets ein Zimmer, sie teilten sich stets alles. Doch als sie beschließen zu studieren, wird plötzlich alles anders. Wren geht auf Abstand, "neue Leute treffen" und Cath muss lernen, sich der Welt um sie herum zu öffnen. Doch kann sie dabei ihren Fanfictions treu bleiben?



Meinung: Habe mir Fangirl als Einstieg in das Genre Contemporary zugelegt. Mein letztes Buch in diese Richtung ist sicherlich schon gut 10 Jahre her. Als Teenager las ich viele Bücher die mein Onkel mir schenkte. Normalerweise hege ich wenig Interesse für das Leben "normaler" Menschen, brauche immer eine Priese Fantasy oder Sci-Fi.

Rowells Roman besticht durch die äußerst liebenswerten Charaktere. Sie sind so unperfekt, so charmant und gewitzt, haben ihre Macken und wirken natürlich. Wenn es um schrullige, junge Leute geht, dann versumpfen viele Autoren nur all zu gerne im Klischee, wir sollen ja schließlich alle mitbekommen wie schrullig und schräg ihre Charaktere sind. Aber hier wirkte alles perfekt ausgewogen. Man merkt ihnen selbst ihre Herkunft an (z.B. Levi der eher konservativ aufwuchs und mit Cath diskutiert, als er ihre Wäsche tragen wollte). Die Autorin gab sich viel Mühe, den Protagonisten viele Facetten zu verleihen.

Auch die Handlung wirkt nicht unrealistisch überdramatisiert und ausgestopft.
Dazu tragen besonders die tollen Dialoge bei. Man hält sich nicht viel mit Umgebungsbeschreibungen auf, man erlebt viel mehr das Geschehene durch die Gespräche und Gedanken hervorragend mit.

Stilistisch orientiert sich das Buch auch an Caths Fanfictions. Sie ist ein langjähriger Fan einer Buchreihe namens "Simon Snow" (inspiriert an den Harry Potter Büchern) und tief im Fandom (der Szene) verwurzelt. Sie ist ein Fan der selbst Fans hat. Ihre selbsterfundenen Geschichten drehen sich um zwei der Charaktere im Buch: Baz und Simon. Demnach findet man zwischen jedem Fangirl Kapitel auch einen kurzen Absatz aus entweder einem Simon Snow Buch, oder einer ihrer Geschichten. 

Dazu muss ich allerdings gestehen, dass ich diese in der Hälfte irgendwann begann zu überspringen. Waren sie zu Beginn nur interessant und nette Einstreuer um der Thematik näher zu kommen, so gaben sie mir irgendwann keinen Anreiz mehr sie zu lesen. Hatte nicht das Gefühl sie geben mir etwas wichtiges für die Haupthandlung mit. Auch liest Cath Levi eine ihrer geschriebenen Geschichten über Simon Snow vor, diese Abschnitte der eingestreuten Geschichte zogen sich oftmals bis zu 4 oder 5 Seiten, die ich auch übersprang. Mich hat es einfach nicht interessiert. Es war wahrscheinlich einfach zu viel des Guten. Rowell sollte lieber bei Contemporary bleiben.

Auch wenn ich nicht den Eindruck hatte, dass sich das Ende zieht, aber zum Schluss war es mir einfach zu wenig Spannung und dafür zu viel Gekuschel und "I like you here and I like you there"... we know it. You like each other.

Wären die Charaktere nicht so toll, hätte ich nicht so viel Gelacht und hätte Tränchen verdrückt, wären mir meine Kritikpunkte wohl stärker ins Gewicht gefallen. Zudem hatte ich bei diesem Buch einen hohen Identifikationsfaktor, dazu aber mehr in der persönlichen Anmerkung (die leider so verdammt lang geworden ist...)



 Punkte: 4 | 5 



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Persönliche Anmerkung


Wie viele andere von euch sicherlich auch, blicke ich auf gut 12 Jahre "Fan"-sein, Conventions und persönliche Entwicklung zurück.
Ich mochte Cath sehr, eben weil es die Problematik der Szene aufzeigt. Es zeigt auf, das "Nerds" nicht nur schrullige Leutchen sind die exzessiv auf Dinge stehen und gut darin sind, es zeigt WARUM. Wächst man selbst damit auf und entwickelt irgendwann eine differenzierte Selbstwahrnehmung, dann bemerkt man wie diese Szene so eigentlich tickt (ich möchte natürlich nicht verallgemeinern, ich spreche von einer Tendenz). Man trifft auf so viele Menschen die mit dem eigenen Leben überfordert sind, sich in fremde Welten zurückziehen (seien es Spiele, Bücher, Serien oder Comics/Mangas) und beginnen sich abzuschotten. So wie Cath Probleme mit ihrer Mutter hat und auch wie ihr Vater sicherlich eine Bürde für die Mädchen war. Man flüchtet, man zieht sich zurück, man rennt davon. Man holt sich das, was man im echten Leben vermisst. An sich ja nichts schlechtes, ein wenig Träumen ist immer erlaubt, aber für viele wurde es einfach zu einem ernsthaften Problem in ihrem Leben und das führte nur dazu, dass man sich immer weiter von allem anderen distanzierte. So eine Szene kann dann wie eine Selbsthilfegruppe fungieren um das gesunde Mittelmaß für sich zu entdecken.

Aber besonders das Bild, was durch Serien wie The Big Bang Theory gestreut wird, finde ich zumindest fragwürdig. Lustig ist ja schön und gut. Aber warum haben Charaktere wie Sheldon Cooper - oder von mir aus auch Steve Urkle - oftmals Charakterzüge, die eigentlich typisch für das Asperger Syndrom sind? Und die beiden sind da nicht die einzigen. Warum versucht man etwas vermeintlich negatives positiv zu vermarkten - was ja eine lobenswerte Sache ist - muss dann aber einen oben drauf setzen in dem man nur noch mehr betont wie "anders" sie sind? Indem man ihnen eine psychische Krankheit verleiht? Man vermarktet wie sie Probleme haben sich in der Gesellschaft zu etablieren, man vermarktet das Klischee das sie Probleme mit Frauen haben, man vermarktet das sie quasi von einem anderen Stern kommen.

Das ist für mich kein Akzeptieren und Integrieren, das ist für mich eine Zurschaustellung dieser Menschen und dem, worunter viele leiden. Man spielt es herab, verharmlost, zieht es ins Lächerliche und macht es zu einer banalen Sonntagnachmittag Unterhaltung. Mir fehlt da ein wenig das Hinterfragen, das Differenzieren. Ich möchte jetzt nicht alleine auf TBBT herumreiten, ich spreche hier generell von vielen Filmen und Serien.

Plötzlich ist es cool. Geht man nur mal auf Twitter und sucht nach #Nerd, dann sieht man das mediale Ausmaß. Einerseits freue ich mich über den Wandel, es hat sicherlich sehr vielen geholfen mit sich selbst klar zu werden. Aber als ich gestern ein kleines Gespräch mit zwei Cosplayerinnen hatte (15 und 19 Jahre), da fiel mir auf, so viel hat sich gar nicht geändert. Sie sprachen davon wie sie in passenden Momenten für ihre Klassenkameraden cool sind - "Hey, ich kenne auch einen Nerd!" - und im nächsten Moment wieder fallen gelassen werden. Weil es einfach angesagt ist einen Sheldon Cooper zu kennen. Man wurde zu einem lustigen Gimmick im Bekanntenkreis. Die Klischees haben sich viel mehr verfestigt. Durch die Dauerpräsenz sind sie quasi legitimiert worden.

Ich habe natürlich auch eine positive Veränderung bemerkt. Aber ich bin auch älter geworden, selbstbewusster, habe mich der Welt mehr geöffnet und mir den richtigen Freundeskreis zugelegt. Selbstverständlich habe ich das Gefühl, akzeptiert zu sein. Ich glaube aber, es ist etwas woran man selbst arbeiten muss. Man sollte seine Probleme nicht damit profilieren und sich herausreden mit "Ich bin halt ein Nerd, das gehört dazu". Ich habe nichts gegen einen medialen Wandel und das Außenseiter immer mehr thematisiert werden, das ist etwas Gutes!! Versteht mich nicht falsch. Ich frage mich nur, ob es der richtige Weg ist wie man es derzeit macht.

In der Hinsicht fand ich Fangirl gelungen. Es hat nicht darauf herumgeritten das Cath nerdig ist, hat nicht mit aller Gewalt versucht diesen Aspekt heraus zu picken, nur um das Buch zu vermarkten. Man warf nicht mit übertrieben vielen Referenzen und Andeutungen um sich, die man nur "als echter Insider" versteht um uns so klar wie möglich zu zeigen: Das Buch dreht sich um Nerds. Ihr Teilhaben an der Szene hat den Menschen dahinter und seine Beweggründe nicht überschattet. Es hatte einen natürlich Touch.

Wenn man sich das Interview am Ende des Buches durchliest, glaube ich Rainbow Rowell weiß wovon sie da schrieb. So eine Art wünsche ich mir, mit dem Thema umzugehen! Bitte mehr davon :)

Kommentare:

  1. erstmal freu ich mich wirklich, dass es dir gefallen hat! vielleicht findest du ja nun doch noch ein paar weitere Contemporary-Bücher, die dir gefallen könnten :) Wie gesagt, ein paar der Sion & Baz Stellen habe ich auch übersprungen, aber sie tragen ja, wie du auch schon sagst, nicht zur direkten Handlung bei. Also nicht weiter schlimm.

    Deinen Kommentar finde ich sehr gelungen! Mir geht es da genauso. So hab ich vor ein paar Jahren zwar noch gerne TBBT geschaut, aber die Serie hat sich über die Jahre sehr verändert. Es wird nur noch zur Schau gestellt und auf sämtlichen Klischees rumgeritten, aber da hast du schon recht, das ist ja nicht nur dort so. Ich wünsche mir hier wirklich mehr Differenzierung.
    Denke auch, dass viele Nerds nur oberflächlich akzeptiert sind, wie du schon sagst, um sich selbst profilieren zu können "ich kenne auch so jemanden!" etc. Viele wollen ja auch einfach nicht zugeben, wie viel Nerd wirklich in einem steckt, eben weil sie nicht auffallen wollen. Dabei ist das ja nun wirklich nichts schlechtes. Man ist eben einfach leidenschaftlicher bei den Dingen, die einem gefallen. Rainbow geht da wirklich gut mit dem Thema um und deshalb hat mir Fangirl auch einfach so gut gefallen :) Ich konnte mich selbst auch sehr gut mit Cath und ihren Ängsten identifizieren.

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    1. Die Kultur ist halt leider Mode geworden :/ Wenn der nächste Trend kommt, wird wieder alles wie vorher sein.

      Es gibt da einfach den groben Unterschied zwischen "ich hege ein großes Interesse an einer Sache und vertiefe mich darin" und dem "ich steh auf alles was Nerds repräsentieren soll".

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  2. Vielen lieben Dank für deinen ausführlichen Eindruck! Ich hab oft riesige Probleme mit Contemporary, weils mich einfach langweilt. Hier hab ich im Gefühl und wenn ich das bei dir so nachlese, könnte es mir auch so gehen, dass ich dazu neige Seiten zu überspringen. Ich glaube, ich werde mit anderen Büchern glücklicher ;)

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    1. Ich dachte ich wage des Genre mal :) Aber es war ein wirklich tolles Buch! Und die Simon und Baz Abschnitte zu überspringen, das beeinflusst die Story in keinster Weise. Es hat eher positiv beigetragen *lach* Es wird sicherlich nicht mein regelmäßiges Genre. Dazu klingen die meisten Bücher einfach zuuuuu uninteressant. Aber ich halte mal meine Augen weiter offen nach weiteren Büchern die eventuell doch lesenwert sind!

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